RÜDIGER PREISLER

MALEREI + SKULPTUR

 
Rüdiger Preisler
DIE LEERE DES RAUMES als sinnliche Wahrnehmung
Gedanken über die Annäherung und Auseinandersetzung mit "RAUM / RÄUME" und "RAUM zur FLÄCHE"


Es handelt sich hierbei um einen Widerspruch, der für mich wegweisend ist, Fragen stellen zu können.
Wie nehme ich e i n e n Raum wahr? und was sind Räume?

Einen Raum kann ich mir als eine feste Größe kaum vorstellen. Er atmet und ist nicht starr. Zwischenräume können temporär starr erscheinen, weil sie durch Begrenzungen existieren.

DAS PHÄNOMEN RAUM WIRD DURCH EINE ZEITLICHE DIMENSION ERFAHRBAR.
Diese Erkenntnis spielt die entscheidende Rolle für meine Arbeiten "RAUM zur FLÄCHE"

Den flüchtigen Moment des Raumgefühls wandle ich in Fläche um. Durch diese Darstellung ist es möglich zum Ausgangspunkt zurückzukommen. ES IST EIN VORGANG DER BALANCE!

Die Entscheidung für die BALANCE treibt mich. Das ist keine "Egalhaltung" sondern die Suche und Entscheidung, die für "zwei gleichberechtigte Ebenen" gilt(z.B. "RAUM zur FLÄCHE"). Es geht nicht um die Verwandlung; schon gar um das Aufzeigen "logischer Zusammenhänge". Es geht um die Schönheit der Wahrnehmungen zum selben Zeitpunkt. Diese Arbeiten sind mein ureigener Kosmos. Es sind RÄUME, in denen ich mich frei bewegen kann. Es sind "durchflogene RÄUME ", die ich aus verschiedenen extremen Perspektiven erlebe - dabei ist die angestrebte FLÄCHE immer der Anlass.

Bevor ich bei den fertigen Arbeiten den konstruktiven Charakter wahrnehme, bemerke ich zuerst die Wirkung der scheinbar freien Komposition der Flächen im Spannungsfeld des Quadrates.

Acryl und Bleistift auf hellweißem Museumskarton 1,5 mm /rückseitig signiert, datiert und bezeichnet /im Nielsen Alu-Rahmen, Profil C2. Abmessungen: 50 x 50 cm / 70x 70 cm / 90 x 90 cm

Der Ausgangspunkt ist ein imaginärer RAUM. Die Perspektive ist der Ansatz, um die FLÄCHE zu gewinnen. Die bemalte Fläche verkörpert die horizontale Ebene. Die unbemalte die vertikale.

Meine Titel sind keine Beschreibungen oder Erklärungsversuche; gar der Versuch einer Namensgebung, Bezeichnung oder Hilfestellung; sie sind "Beweggründe und Gedanken zu Prozessabläufen" vor und während der Arbeit. Ich verwende sachliche Farben - diese körperlich satt aufgetragen - aber nicht pastos.
Die Farben wirken unterkühlt und elegant, anfangs etwas unnahbar - strahlen dann aber doch Wärme aus.

Meine Farbpalette hochwertiger Acrylfarben für sämtliche Arbeiten - also für die Skulpturen RAUM - LICHT - MASCHINEN und der Malerei auf Karton umfasst insgesamt sieben Farbtöne: ein Reinweiß-Ton, drei Grau- und drei Anthrazitabstufungen. Mit dieser reduzierten Auswahl an Farben kann ich meine Absichten realisieren.

Für die Arbeiten auf Karton verwende ich aus dieser Farbpalette lediglich zwei Farben: den Grauton R 306 und den Anthrazitton G 301. Weiß ergibt sich aus dem hellweißen Ton des Kartons.

Rüdiger Preisler
im Januar 2015

 
Statement zu den feuerroten "RAUM zur FLÄCHE" Arbeiten, die seit 2017 entstehen und immer Einzelblätter sind.

Sie sind die Verdichtung, der ebenfalls seit 2017 entstehenden "4-teiligen Vertikalen Diptychon-Paare" unter Verwendung der Farbe RAL 3000, feuerrot.

Rüdiger Preisler
im April 2017

 


Rüdiger Preisler
THE VOID OF SPACE as a sensual perception

Thoughts on approaching and engaging with "SPACE / SPACES" and "SPACE to SURFACE"

Here we are dealing with a contradiction that has proven to be pioneering/trailblazing for me in order that I might ask questions: how do I perceive a space? And what are spaces?

I can hardly imagine aspace as a fixed entity. It breathes, it is not rigid. Interim spaces may temporarily seem rigid because they arise from limitations.

SPACE AS A PHENOMENON MAY BE EXPERIENCED THROUGH A TEMPORAL DIMENSION.
This knowledge plays a decisive role in my works "SPACE to SURFACE"

I transpose the fleeting moment of spatial feeling into surface. By means of this portrayal it is possible to return to the point of departure. I refer to this process as "perceived objectivity". THIS IS A PROCESS OF BALANCING !

The decision in favor of BALANCE spurs me on. This is no "attitude of indifference" but the search and decision that applies regarding "two planes on an equal par" (for example, in "SPACE to SURFACE").
It is not about transformation or even about showing "logical relationships". It has to do with the beauty of perceptions all at the same time.

These works constitute my very own cosmos.
They are SPACES through which I am able to move freely.
They are "SPACES flown through", ones I experience from various perspective extremes - the SURFACE I strive for is always the reason. The point of departure is an imaginary SPACE. The perspective is the approach for gaining SURFACE. The painted surface embodies the horizontal plane, the unpainted one is the vertical.

As a matter of fact, I can combine the interior and the exterior in my works in such a way that they may be experienced at the same time as a new whole, and I can move walls and tip floors.

Before discerning the constructive character of the finished works, I first observe the effect that the seemingly free composition of the surfaces has within the square field of tension.

Technical Data:
Acrylic and pencil on bright white museum board, 1.5 mm / signed on the back, dated, and labeled / with Nielsen aluminum frame, profile C2. Dimensions: 50 x 50 cm / 70x 70 cm / 90 x 90 cm

My titles are not descriptions or explanation attempts; and they do not even try to give the works a name, designation or explanation; they constitute "motivations and thoughts pertaining to the procedures" before and during the work. I use objective colors - these are applied in a manner that is physical and full - but they are not impasto. The colors seem cool and elegant, at first somewhat inaccessible - but then they exude warmth.

With regard to all of the works, i.e., for the sculptures: SPACE - LIGHT - MACHINES and my paintings on cardboard, my color palette in high-quality acrylic paints consists of a total of seven shades: a pure white color, three shades of gray and three of anthracite. I am able to realize my intentions using this restricted selection of colors.
For the works on cardboard, I only use two colors from this palette: the R 306 shade of gray and the G 301 anthracite. The white arises from the bright white color of the cardboard.

Rüdiger Preisler
January 2015
 
Statement on the flame red “SPACE to SURFACE” works being created since 2017, each work always constituting an individual piece.

These works pose a condensing of the “4-Part Vertical Diptych Pairs”, likewise produced since 2017 and using the color RAL 3000 Flame Red.

April 2017
Translation: Elizabeth Volk, M.A.
Kunsthistorikerin


Rüdiger Preisler
Bemerkungen zu meiner 4teiligen Skulpturengruppe der RAUM - LICHT - MASCHINEN
"noche y día"

Bei "día" denke ich an gleißendes Licht, flirrende Hitze * und Getriebensein –
bei "noche" an die Möglichkeit größerer Differenzierung –
und bei "noche y día" an die Motorik und Spannung des Seins.

* (wie bei Albert Camus)

aufgeschrieben im Sommer 2011
Rüdiger Preisler

 
 
 


Rüdiger Preisler
Remarks on my 4-part group of sculptures from SPACE - LIGHT - MACHINES
"noche y día"

The word "día" makes me think of dazzling light, shimmering heat* and the state of drifting –
The word "noche" stirs the possibility of greater differentiation –
and "noche y día" conjures up the motor activity and tension-filled excitement of being.

* (in the sense of Albert Camus)

noted in the summer of 2011
Rüdiger Preisler
Translation: Elizabeth Volk, M.A.
Kunsthistorikerin

 
 
 
For further texts on the sculptures "SPACE - LIGHT - MACHINES" and my own statements, also in English and French, see catalogue.



Text zu den "RAUM – LICHT – MASCHINEN" von Dr. Wita Noack, Leiterin, Mies van der Rohe Haus, Berlin, Juni 2009


"Weniger ist [L]licht"

Die "Raum-Licht-Maschinen" von Rüdiger Preisler

Man sagt, das Licht bringt die Wahrheit über die Dinge an den Tag. Viel Licht hilft das noch so kleine Detail sichtbar zu machen. Aber eben auch umgekehrt: erst mit wenig Licht wird eine maximale Wahrnehmung möglich. Die Lichtkünste arbeiten mit diesem Phänomen. Licht gilt als Raumbildner und als Medium. In der biblischen Schöpfungsgeschichte ist es das Licht, was Gott zu allererst erschaffen hat. Kunst- und kulturgeschichtlich assoziiert man das Licht mit dem Geist, der Schönheit und der Seele. In der Alltagssprache nennt man eine kluge Person auch als hell und licht. Man sagt, uns geht ein Licht auf. Und überhaupt hängt das gesamte Leben vom Licht ab.

Der Berliner Künstler Rüdiger Preisler hat in den letzten vier Jahren Skulpturen entworfen, die das Licht einfangen können und es zugleich auch zelebrieren. Er nennt seine neuesten Arbeiten “Raum-Licht-Maschinen“. Preislers Skulpturen sind hohe und schmale Kästen aus bemaltem Holz in Weiß, Schwarz oder verschiedenem Grau. Es handelt sich um 2,13 Meter hohe Holzskulpturen aus einfachen Holzbrettern, die in regelmäßigen Abständen von jeweils 8,5 cm auf einer Grundplatte angeordnet sind. Das bedeutet, dass für den Ein- bzw. Austritt des Lichts ein schmaler Spalt von maximal 8,5 cm zur Verfügung steht. An den Ecken der Skulpturen befinden sich die “Wangen”. Das sind 2,4 cm dicke Bretter. Die Holzlamellen dazwischen sind dagegen nur 1,5 cm dick. Die Lamellen und Wangen sind jeweils 10 cm tief. Die Grundfläche ist quadratisch, beispielsweise 53,3 x 53,3 cm, 33,3 x 33, 3 cm oder 43,3 x 43,3 cm. Der Boden der Skulptur ist dem Himmel zugewandt und besteht aus einer leicht spiegelnden Aluminiumtafel. Die “Raum-Licht-Maschinen” sind nach oben hin offen. Es handelt sich also um einfachste Kästen, die es aber in sich haben.

Preislers Skulpturen machen das Licht sichtbar. In dieser Hinsicht kann man sie auch „Raum-Licht-Maschinen“ nennen, aber sie erzeugen das Licht nicht aktiv. Sie arbeiten auch nicht mit dem Licht im Sinne eines optischen Effekts, wie beispielsweise die kinetischen Lichtskulpturen der Zero-Künstler, darunter besonders Otto Piene oder Heinz Mack. Aber im Zusammenhang mit „Raum-Licht-Maschinen“ wäre vor allem auf den Zero-Künstler Adolf Luther (1912-1990) zu verweisen. Luther arbeitete vor allem mit Licht und untersuchte viele verschiedene Materialien in ihrer Beziehung zum Licht. So entwarf er unter anderem auch eine kinetische Skulptur mit dem Titel „Lichtmaschine“ für den öffentlichen Raum in Gelsenkirchen. Es handelt sich um eine motorbetriebene Großplastik aus Stahl. Senkrechte, glatt polierte Edelstahllamellen reflektieren das Licht und scheinen mit dem Himmel zu verschmelzen.
Preislers „Raum-Licht-Maschinen“ sind auch völlig anders zu sehen als der berühmte 1922 von Lazlo Moholy-Nagy (1895-1946) entworfene und 1930 realisierte „Licht-Raum-Modulator“. Es handelte sich um einen Apparat zur „Demonstration von Licht- und Bewegungserscheinungen“. Die Lichtwirkungen des Apparates wurden dann von Moholy-Nagy in dem Film „Schwarz-Weiß-Grau“ übertragen.

Rüdiger Preislers Licht-Kunstwerke sind für den Innenraum gedacht. Sie stehen einfach und in Ruhe an ihrem Platz und warten auf das Licht, auf das Sonnen- und sogar das Mondlicht. Der Raum, in dem sie stehen, kann relativ dunkel sein, ein Lichtstrahl genügt, um sie zum sanften Leuchten zu bringen. Die Skulpturen wurden von Rüdiger Preisler so konstruiert, dass die feinsten Lichtreflexe sichtbar werden. Seine neuesten Skulpturen tragen Titel, wie „Stiller Klang“, „mor - gen - grau“, “Tag” und “Nacht”, „Die drei Gleichen“ oder „Tag- und Nachtgleiche“. Die Raum-Licht-Kunst-werke von Preisler arbeiten nicht mit künstlichen Lichtquellen oder gar mit einem Motor. Sie fliehen eher der Fülle der Wahrnehmungsreize und schaffen einen stillen Raum bzw. einen Raum im Raum für Licht, um die Wahrnehmung zu konstituieren. Am ehesten sind Preislers Skulpturen noch mit der gotischen Kathedrale, die ja als das erste Lichtkunstwerk gilt, zu vergleichen. Die lang gestreckte schmale und schlanke Form von Preislers Skulpturen ähnelt einem gotischen Fenster. Preislers Skulpturen sollen nach oben hin streben. Der Künstler hat sie auch entsprechend entworfen: Preisler entwickelte seine Idee von den Skulpturen über die Zeichnung, bestehend aus rhythmisch gesetzten senkrechten Bleistiftlinien. Danach wurde die Konstruktion ausgebildet und es entstanden schlichte, fein gegliederte Holzkästen aus senkrechten Holzlamellen. Diese Behälterräume bieten nun einen Freiraum für das Licht und die Basis für dessen Wahrnehmung. Sie bilden also einen Raum im Raum, der leer ist und damit frei und offen für das Licht und die Gedanken. Das ist die Quintessenz der Preislerschen Kunstwerke. Es entstehen sozusagen Lichtungen. Durch ihre Klarheit in Form und Farbe sind die Skulpturen so sensibel, dass nur ein geringer Anstoß von Außen nötig ist, um ihre Wirkung zu offenbaren.
Preisler hatte sich bereits bei seinen vorangegangenen Stahlskulpturen immer auch mit dem Raum auseinandergesetzt. Erst durch das Vorhandensein von Skulpturen im Raum wird der Raum erlebbar, sagt Rüdiger Preisler. Die Holzskulpturen antworten im Medium des Lichts auf den Raum. Die Licht-Skulpturen sind also nicht nur als Verdeutlichung von „Raum im Raum“ zu verstehen, sondern sie fungieren auch als eine Art „Wahrnehmungsmaschine“. Sie vermitteln nämlich zwischen einem inneren und äußeren Lichtraum. Der innere Raum ist ein geistig-ästhetischer Raum im Betrachter, der durch geringste Lichteinfälle angesprochen wird. Über die Perzeption wird der Betrachter wieder mit der Quelle des Lichts, mit dem großen Welt-Raum verbunden. Man kann sagen, dass Rüdiger Preislers „Raum-Licht-Maschinen“ so eine Art Mittler zwischen den Welten sind. Insofern könnte man sie auch als Maschinen bezeichnen, da sie die Vermittlungsarbeit zwischen innerer und äußerer Welt „ankurbeln“ und ermöglichen.

Rüdiger Preislers „Raum-Licht-Maschinen“ fördern die sinnliche Wahrnehmung und ästhetische Kompetenz. Ein schlichter Holzrahmen und ein leerer Innenraum formen das Licht und helfen seine Nuancen sichtbar zu machen. Man wird der feinsten Farbdifferenzen der bemalten Holzoberfläche gewahr, etwa wenn die Holzlamellen das Licht unterschiedlich reflektieren. Der Lichteinfall ändert sich nicht nur durch den Wechsel von Tag und Nacht, auch der Standort des Betrachters im Raum spielt dabei eine Rolle: Die Farbe ändert sich mit dem Lichteinfall. Kleinste Differenzen, in der von Preisler vorzugsweise verwendeten grauen Farbe werden erkennbar. Im unterschiedlichen Licht ist eben Grau nicht gleich Grau. Etwa wenn der Morgen graut oder Mondlicht auf die Holzlamellen scheint. Was vorher Dunkelgrau war, kann plötzlich in hellen Graustufen aufscheinen. Das Dunkle wird also plötzlich durch sanfte Lichtreflexe erhellt. Aber auch der geringste Wechsel des Betrachter-standortes verändert die Anmutung der Skulpturen. Mal wirken die Skulpturen wie ein undurchdringlicher Vorhang, um dann im nächsten Moment die Zwischenräume der Lamellen völlig durchsichtig erscheinen zu lassen. Außerdem reagiert die bemalte Holzoberfläche der Skulpturen unterschiedlich auf den Lichteinfall. Zum einen liegt das an der lebendigen Struktur des Holzes selbst aber zum anderen auch an seinem Bearbeitungsprozess. So wirkt das Holz je nach Schnittfläche auch jeweils verschieden. Das Licht wird so unterschiedlich reflektiert und die Helligkeit der Farbe auch immer anders vernommen.

Wenig ist also nötig, um einen künstlichen Licht-Raum der Stille zu schaffen, wie das die „Raum-Licht-Maschinen“ von Rüdiger Preisler auf eine einfache und subtile Art und Weise demonstrieren. Rüdiger Preislers Kunstwerke sind wahre Bildner der Wahrnehmung. Weniger ist eben [L]licht.

Dr. Wita Noack
Berlin, Juni 2009
 
 
 
 
weitere Texte zu den Skulpturen "RAUM - LICHT - MASCHINEN"
und eigene Statements auch in englisch und französisch siehe Katalog